Arbeitszeit, Arbeitsort

Starre Arbeitszeiten, fehlende Zeitautonomie und fixe Arbeitsorte erschweren vielen Mitarbeitenden mit Betreuungspflichten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Flexible Arbeitszeiten gehören deshalb zu den wirkungsvollsten Massnahmen, die Arbeitgebende ihren Angestellten anbieten können. Sie ermöglichen es Mitarbeitenden zum Beispiel, ihre Kinder stressfrei in die familienergänzende Betreuung zu bringen oder von dort abzuholen, ausgefallene Schulstunden aufzufangen oder Besprechungstermine mit Pflegeinstitutionen einzuhalten. Auch örtliche Souveränität und eine mobile Gestaltung des Arbeitsplatzes sind hilfreich für Betreuungspflichtige.

Damit die Mitarbeitenden ihre Aufgaben zeitlich und örtlich flexibel erledigen können, stehen verschiedene moderne Informations- und Kommunikationsmittel zur Verfügung: Handys, Laptops, Telefonumleitungen oder Fernzugriff auf den Firmenserver und die E-Mails von unterwegs. Interessant sind Arbeitsmodelle, die sowohl dem Unternehmen als auch den Beschäftigten Zeitsouveränität, Flexibilität und die Möglichkeit bieten, die Arbeitszeit zu verkürzen. Sie helfen, Spannungen abzubauen und die Belastung für die Mitarbeitenden zu mindern. Mit der Flexibilisierung muss ein Wandel der Arbeitskultur einhergehen – von der Präsenzorientierung hin zur interessengerechten Aufgaben- und Ergebnisorientierung.

 

Flexible Arbeitszeit

Flexible Arbeitszeitmodelle bringen Vorteile für Arbeitnehmende und für Arbeitgebende: Die Mitarbeitenden können Struktur und Dauer ihrer Arbeitszeit mitbestimmen, das Unternehmen verfügt über leistungsfähigere Beschäftigte und über eine bessere Auslastung der Infrastruktur.

Für eine gute Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben braucht es neben Flexibilität aber auch Planbarkeit. Umgekehrt muss das Unternehmen auf seine Angestellten zählen können, wenn die Arbeit anfällt. Es ist deshalb wichtig, dass Arbeitgebende und Arbeitnehmende einander entgegenkommen und Rücksicht auf die Bedürfnisse der jeweils anderen Seite nehmen. Der Vielfalt von flexiblen Arbeitszeitmodellen sind kaum Grenzen gesetzt. Es gibt jedoch kein Standardmodell, das für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders geeignet wäre. Es müssen immer betriebsspezifische und individuelle Lösungen gefunden werden.

Gleitzeit: Die Mitarbeitenden teilen ihr tägliches Stundenpensum innerhalb eines bestimmten Zeitfensters flexibel ein.

Angepasste Tagesarbeitszeiten: Die Verteilung eines Teilzeitpensums auf mehrere Tage (verkürzte Arbeitstage) hilft Mitarbeitenden mit Betreuungspflichten, sich dem Tagesrhythmus ihrer Familie anzupassen. Bei verlängerten Arbeitstagen wird die Wochenarbeitszeit auf weniger Tage verteilt. Gestaffelte Arbeitszeiten mehrerer Mitarbeitender ermöglicht es ihnen, Familienpflichten wahrzunehmen, und dem Betrieb, längere Öffnungs- und Servicezeiten anzubieten.

Jahresarbeitszeit: Die Sollstunden werden statt auf Wochen- und Monatsbasis auf ein ganzes Jahr hinaus festgelegt. Mitarbeitende können ihre Arbeit ungleich auf die Monate verteilen und sie zum Beispiel an die Schulferien anpassen. Ein Teil der Arbeitszeit wird durch den Arbeitsanfall bestimmt.

Kurzabwesenheiten
Mitarbeitende erhalten die Möglichkeit, zwischendurch für ein paar Stunden von der Arbeit wegzubleiben, um private Aufgaben zu erledigen und unvorhergesehene Termine wahrzunehmen. Dies geschieht in Absprache mit den Vorgesetzten und/oder den Kolleginnen und Kollegen. Die verpasste Zeit ist später nachzuholen.

Freitage
Bei einem Umzug, einer Heirat oder der Geburt eines Kindes besteht ein gesetzlich und betrieblich verankertes Recht auf bezahlte Freitage. Bei Krankheit eines Kindes müssen Unternehmen den Eltern bis zu drei Tage freigeben, wenn ein Arztzeugnis vorliegt. Viele Betriebe gewähren Zusatzfreitage in Sondersituationen wie bei Krankheit des Partners oder der Partnerin oder zur Begleitung eines Kindes am ersten Schultag.

Ferien und Feiertage
Für erwerbstätige Eltern ist es hilfreich, wenn bei der Ferienplanung darauf geachtet wird, dass Mitarbeitende mit Schulkindern wenn immer möglich ihre Ferien während der Schulferien nehmen oder ihre Arbeitszeit während der Schulferien reduzieren und die Zeit später nachholen können.

Teilzeitarbeit

Die Reduktion des Arbeitspensums ist eine der effektivsten Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Teilzeitarbeit hat eine lange Tradition in Hilfsfunktionen und in typischen Frauenberufen – und Potenzial weit darüber hinaus. Heute suchen vermehrt junge Männer nach Möglichkeiten, wie sie neben der Erwerbstätigkeit auch einen Teil der Kinderbetreuung und der Hausarbeit übernehmen können. In den letzten Jahren hat der Anteil an Teilzeit arbeitenden, gut qualifizierten Mitarbeitenden zugenommen. Teilzeitarbeit wird immer öfter auch in Führungspositionen praktiziert – Erfolgsbeispiele sind nicht mehr selten. 

Teilzeitlösungen bedingen eine Anpassung der Arbeitsorganisation und sind mit einem erhöhten Koordinationsaufwand verbunden. Teilzeitlösungen bringen dem Unternehmen indes auch Vorteile: Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, es kommt mehr Know-how zusammen, wertvolle Mitarbeitende bleiben dem Betrieb erhalten und besonders umworbene Personen können unter Umständen mit Teilzeitangeboten ins Unternehmen geholt werden. Mit dem Modell einer abgestuften Teilzeitarbeit können Mitarbeitende mit Familienpflichten ihre Arbeitszeit stufenweise an die Lebensphase und die sich ändernden Bedürfnisse der Familie anpassen.

Jobsharing

Jobsharing ist eine spezielle Organisationsform der Teilzeitarbeit: Eine Vollzeitstelle oder mehrere Teilzeitstellen werden auf mehrere Mitarbeitende aufgeteilt – mit dem Ziel, dass für eine bestimmte Funktion trotz Teilzeitarbeit immer mindestens eine zuständige Person anwesend ist. Das bedeutet für das Unternehmen einen Zuwachs an Wissen, mehr Kapazität bei hohem Arbeitsaufkommen und bessere Möglichkeiten, Arbeitsausfälle von Mitarbeitenden aufzufangen. Wer im Jobsharing arbeiten will, braucht Planungs- und Organisationsvermögen sowie eine hohe Kommunikationsbereitschaft. 

Es gibt verschiedene Formen des Jobsharings. Am häufigsten kommt Jobsplitting vor. Dabei werden die mit einer Stelle verbundenen Aufgaben und Pflichten von den Betroffenen gemeinsam aufgeteilt. Danach ist jede Person für die ihr zugeteilten Aufgaben verantwortlich. Beim Jobpairing übernehmen zwei Personen gemeinsam die Verantwortung für die Gesamtaufgabe der Stelle. Sie planen und treffen wesentliche Entscheidungen gemeinsam. Wichtig ist, dass der Fortbestand der Stelle bei der Kündigung einer Jobsharing-Person geregelt ist. Mehr Informationen zum Jobsharing auf Führungsstufe finden sich unter Topsharing.

Flexibler Arbeitsort

Die physische Präsenz am Arbeitsplatz ist nicht für alle Tätigkeiten notwendig. In vielen Branchen lassen sich Aufgaben mit modernen Telekommunikationsmitteln von unterwegs oder zu Hause erledigen. Oft wird dann der Arbeitsweg, zum Beispiel die Pendelzeit im Zug, zur Arbeitszeit gezählt. Geeignet dafür sind planerische, konzeptionelle und administrative Tätigkeiten. Wenn der Weg zum Arbeitsplatz ab und zu entfällt, können viele Mitarbeitende mit Betreuungspflichten mehr Zeit für die Erwerbsarbeit einsetzen und ihre Teilzeitpensen erhöhen. Diese örtliche Souveränität führt meistens auch zu höherer Leistungsbereitschaft und Produktivität.

Grundsätzlich sind zwei Modelle zu unterschieden: Mitarbeitende erbringen ihre Arbeitsleistung vorübergehend oder kurzfristig von zu Hause aus, um beispielsweise einen unvorhergesehenen Betreuungsengpass zu überbrücken; von Telearbeit spricht man, wenn Mitarbeitende dauerhaft oder über einen bestimmten Zeitraum zu Hause arbeiten. Hierfür benötigen sie vom Unternehmen die entsprechende Infrastruktur und Zugriffsmöglichkeiten auf die Firmenserver. Wichtig sind klare Absprachen zur Erreichbarkeit (kein 24-Stunden-Service) und zu den Anwesenheiten im Betrieb.

Für Unternehmen

  • Chance Teilzeitarbeit. Argumente und Materialien für Verantwortliche (inkl. CD-Rom).
    Baillod Jürg (Hrsg.). Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich (2002).
  • Flexibel, aber nicht prekär. Ein Handbuch zur gleichstellungs-gerechten Gestaltung flexibler Arbeitsverhältnisse für Betriebe, Gewerkschaften, Gleichstellungsbeauftragte, Personalfachleute und PersonalvertreterInnen.
    Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Zürich. Zürich (2002).
  • Flexibilisierung der Arbeit. Erfahrungen aus erfolgreichen schweizerischen Unternehmen.
    Graf Stefan, Henneberger Fred & Schmid, Hans. Bern: Haupt (2000).
  • Tool-Box Teilzeit. Materialien zur Erfassung von und zum Umgang mit Teilzeitpotential, insbesondere auf Kaderebene.
    Projekt PARTE. Bern (2000). Gedruckte Ausgabe der Toolbox Deutsch ist vergriffen. Online Ausgabe >>

Für Arbeitnehmende

  • Flexibel arbeiten: Temporär, Teilzeit, Freelance. Was Sie über Ihre Rechte wissen müssen.
    Bräunlich Keller Irmtraud. Zürich: Beobachter Buchverlag (2007).

Wie die vorgestellten Massnahmen in der Praxis umgesetzt werden können und wirken, haben wir für Sie im Bereich Erfolgsgeschichten zusammengestellt.

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